Was hält dich zurück?

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Zum Start ins neue Jahr habe ich mich hingesetzt und mir einen Haufen Ausreden aufgeschrieben, die ich ständig zu hören kriege. Versteht mich nicht falsch, ich habe jede einzelne davon schon benutzt – weshalb ich jetzt auch weiss, was an ihnen falsch ist. Eines haben sie alle gemeinsam: Sie geben dir einen Grund, nicht immer deine Bestleistung zu zeigen, was es unmöglich macht, dein volles Potenzial auszuschöpfen. Los geht’s!

Ich fange jetzt nichts neues an, Neujahrsvorsätze funktionieren eh nicht

Ja, viele Leute machen im Januar ein Fitness-Abo und gehen dann ab März nicht mehr hin. Ich bin trotzdem ein Fan von Neujahrsvorsätzen – denn selbst wenn du sie nicht einhältst, du hast dir trotzdem selbst etwas Gutes getan. Wenn du dir jetzt vornimmst, zwei zusätzliche Workouts pro Woche zu machen, und das dann nur bis März machst, hast du immer noch 24 Workouts gemacht, die sonst nie stattgefunden hätten. Du wirst definitiv eine Verbesserung deiner Leistung sehen, und dein Körper wird sich verändern. Was hast du zu verlieren? Lass die Vorsätze nicht einfach sein weil du Angst hast, sie nicht zu erfüllen. Versuchs einfach mal.

Ich habe einfach keine Zeit für zusätzliches Tumblingtraining/Workouts/Stretching

Wenn du dich dabei erwischst, wie du das behauptest, korrigiere dich gleich selber: das Problem ist nicht, dass du keine Zeit hast, sondern dass du dein Training nicht hoch genug priorisierst. Wenn dein Haus brennt sagst du auch nicht, du hast gerade keine Zeit, die Feuerwehr anzurufen, weil du Stress in der Schule hast. Dein Haus und alles darin hat mehr persönlichen Wert für dich als deine Schulnoten, also investierst du die Zeit, es nicht abbrennen zu lassen, auch wenn dafür die Schule leidet.

Zu sagen, dass du keine Zeit fürs Training hast, heisst nichts anderes als: «Ich mache eine bewusste Entscheidung, meine Zeit in etwas zu investieren, das für mich eine höhere Priorität hat.» Das kann Sinn machen, zum Beispiel bei obligatorischen Schulanlässen, aber sind wir mal ehrlich, meistens fällt die Wahl zwischen Netflix und Training.

Das heisst nicht, dass du dir keine Zeit zum Ausspannen gönnen sollst – tatsächlich ist auch das sehr wichtig. Was ich sagen will ist, dass du nächstes mal, wenn du diese Ausrede benutzen willst, zuerst überlegen solltest: Habe ich diese Woche irgendwas geplant, dass mir eigentlich weniger wichtig ist als mein Training? Wenn ja, sag das andere ab und geh trainieren. Wenn du das nicht machst, beschwer dich nicht über Zeitknappheit: Du hast deine Wahl selber getroffen.

Ich wünschte, ich könnte/hätte das

Naja, könntest du ja auch. Egal, welchen anderen Athleten du um etwas beneidest: Wir haben alle als kleine babbelnde Babys angefangen, und unsere einzigen Fähigkeiten waren trinken und schlafen. Es hat nichts mit Talent zu tun, es hat mit Arbeit zu tun.

Du willst so stark sein wie die Base dort drüben? Mach die gleichen Workouts wie sie, und du wirst es sein. Du möchtest beweglich sein wie die Flyer auf Instagram? Investiere Stunden um Stunden in Stretching und Krafttraining, und du wirst es sein. Du willst deinen Jump vorne in der Mitte zeigen? Arbeite dafür. Du willst einen Flickflack? Investiere Zeit in Conditioning und Vorübungen. Was mich gleich zu meinem nächsten Punkt bringt.

Ja, für dich ist das einfach

Das höre ich oft, vor allem im Tumbling. Irgendwie glauben die Leute, nur weil sie dich nicht beobachtet haben, wie du deinen Flickflack gelernt hast, bist du einfach damit geboren worden. Als ich mit Cheerleading angefangen habe, war Tumbling noch nicht wirklich Teil des Sports (in unserem Verein) – die Kids, die schon ein Rad konnten, zeigten es, aber es hat niemand etwas neues gelernt. Wir haben erst nach einem Camp mit amerikanischen Coaches damit angefangen. 3 Jahre lang bin ich zwei oder dreimal die Woche zusätzlich zum Training und habe mit meinen Coaches zusammen alles ausprobiert und mit Stunden und Stunden von Videomaterial die Technik analysiert, bis es endlich klappte.

Jetzt, Jahre später, sind die meisten Athleten von damals weg, und die meisten denken, ich konnte das halt schon immer. Magie! Es ist mir mehr als einmal passiert, dass Athleten mit mentalen Blockaden mich angeschrien haben: «Du verstehst das einfach nicht, dir ist es ja nie so gegangen!»

Vergiss nie: Nur weil du die Stunden nicht gesehen hast, die andere Athleten damit verbracht haben, über ihre Schulter zu schauen weil sie zu viel Angst hatten, abzuspringen heisst nicht, dass es nicht passiert ist. Dass es für jemand anderen einfach aussieht heisst nicht, dass du dir das als Ausrede nehmen kannst, um in Frustration und Selbstmitleid zu ertrinken. Wir haben alle mal am gleichen Punkt angefangen, und die Athleten, deren Arbeit du so einfach mit «Talent» abtust, haben sich bereits durch diese schwierigen Situationen durchgekämpft.

Ich habe halt nicht schon als kleines Kind angefangen

Ein weiteres Phänomen ist, dass Teenager und Erwachsene glauben, dass für Kinder alles viel einfacher ist. Letztens haben unsere Seniors den Juniors und Peewees beim Tumbling zugeschaut, und viele standen neben mir und meinten nur: «Ich wünschte, ich hätte so jung angefangen, dann könnte ich das jetzt auch.» Nein, könntest du nicht. Es ist nicht ihr Alter, dass sie gut macht im Tumbling, sondern ihr Durchhaltevermögen und die harte Arbeit, die sie jedes einzelne Training investieren. Wenn du das heute nicht leistest, hättest du es auch damals nicht gemacht.

Sätze wie «Kinder haben halt keine Angst vor solchen Dingen» lassen mich den Kopf schütteln. Wer sie sagt hat offensichtlich nie mit Kindern gearbeitet. Sie haben die gleichen Ängste, wie jeder andere auch, aber sie haben auch viel Vertrauen in ihre Coaches: die meisten von ihnen glauben, dass ein Coach ihnen keine Herausforderung stellen würde, die sie nicht meistern könnten, also überwinden sie ihre Angst mit diesem Wissen im Hinterkopf.

Ich habe Worlds-Athleten kennengelernt, die mit 14, 18 oder 26 Jahren mit Cheerleading angefangen haben und es trotzdem zu den Weltmeisterschaften geschafft haben. Man sieht es nicht oft, aber nicht weil es unmöglich ist, sondern weil es schwierig ist. Alter ist keine Ausrede für irgendwas.

Stell deine Ausreden an den Pranger

Natürlich gibt es noch viel mehr Ausreden die dich davon abhalten, so erfolgreich zu sein wie du es gerne wärst. Meist benutzen wir sie, ohne es zu merken, weil wir sie uns schon so sehr eingeredet haben. Fang an, deine eigenen Ausreden zu erkennen und übernimm die Kontrolle, indem du bewusste Entscheidungen triffst. Du drückst nicht auf Snooze, weil das Bett so schön warm ist. Du drückst, weil du die Entscheidung triffst, dass 5 weitere Minuten einen stressigen Morgen wert sind. Du bist in der Schulstunde nicht auf Instagram, weil der Lehrer so langweilig ist, sondern weil du lieber anderen dabei zuschaust, wie sie ihre Träume erfüllen, statt auf deine eigenen hin zu arbeiten.

Mach aus deinen Ausreden bewusste Entscheidungen und steh dafür gerade. Wenn du entscheidest, kein Workout zu machen weil du den Abend zur Entspannung brauchst, geniesse jede letzte Sekunde deines Abends und mach dir kein schlechtes Gewissen wegen dem Training. Vertrau in die Entscheidung, die du getroffen hast, und akzeptiere die Konsequenzen ohne Ausreden und Reue. Aber wenn du dir ein Ziel in den Kopf gesetzt hast, zieh deinen Plan durch.

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