Cheer Up Video Competition – Bereit für etwas Neues?

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Ich habe schon immer fest daran geglaubt: Wenn es das was du brauchst noch nicht gibt, erschaffe es selbst. Über die Jahre habe ich mit so vielen Schweizer Cheerleadern geredet, und wir scheinen alle etwa die gleichen Probleme und Sorgen zu haben. Dann sollten wir endlich auch anfangen, etwas dagegen zu unternehmen! Nachdem in den letzten paar Jahren nicht viel los war haben diesen Frühling die Broncos mit ihrem Mountain Cup (den es hoffentlich noch viele Jahre geben wird) den Startschuss gegeben. Das Nationalteam ist ebenfalls im Wandel und macht mit dem neuen System einen grossen Schritt in die Langzeitentwicklung unserer Athleten und Vereine. Da wollen wir doch gleich mal einen drauflegen!

Das Problem

Es braucht viel Zeit, um die athletischen Fähigkeiten zu trainieren, die für eine lange und sichere Karriere im Cheerleading nötig sind – vor allem wenn man auf einem hohen Niveau antreten möchte. Da das Schweizer Bildungssystem nicht wirklich auf die Interessen von Sportlern und Künstlern ausgelegt ist müssen aber leider viele Athleten den Sport verlassen, um die akademischen Standards zu erreichen. Das können wir leider so kurzfristig nicht ändern, aber wir können uns der Situation ein wenig anpassen.

Es liegt in der Natur einer normalen Cheerleading Saison, dass alle Mitglieder eines Teams in jedem einzelnen Training anwesend sein müssen, sonst erreicht man nicht viel. Das bedeutet 2-3 Trainings pro Woche, und dazu kommt noch Tumbling, Krafttraining und Stretching, was alles ausserhalb dieser Zeiten zusätzlich trainiert werden muss. Viele Athleten können oder wollen Cheerleading nicht so hoch priorisieren, wenn sie gerade in einem wichtigen Schuljahr sind, eine stressige Zeit im Job haben oder einen längeren Auslandaufenthalt planen. Weil Cheer so alles-oder-nichts ist, verlieren wir an diesem Punkt oft gute Mitglieder, die noch so viel Potenzial hätten. Aber was, wenn es ab diesem Jahr auch für solche Athleten eine Möglichkeit gäbe, in einem wettkampforientierten Umfeld zu trainieren und weiterhin ihre Grenzen zu pushen?

Auftritt: Die Cheer Up Video Competition

Es ist ganz einfach: Du brauchst ein Stuntteam, zwei Handykameras und die Motivation, dich einer neuen Herausforderung zu stellen. Kein herumreisen, kein zusätzlicher organisatorischer Aufwand, kein Equipment. Jeder erhält ein Regelwerk, das einfach zu verstehen ist, und du musst kein Juror werden um das Punktesystem zu verstehen. Im Wettkampf geht es um pures Können beim Stunten, nichts anderes. Jeder kann sehen, wofür jeder Abzüge bekommen hat. Kein Punkte-Mysterium mehr.

Ein Zusatz, kein Ersatz

Natürlich wird das nie eine normale Meisterschaft ersetzen können. Was wir an Wettkämpfen so lieben ist die Aufregung der verschiedenen Routines, die Musik, die Kreativität, die Ausstrahlung der Teams auf der Matte und der Glitzer und Glamour der Uniformen und Bows. In dieser Video Competition wird aber all das ausgeblendet und es geht um reine Athletik und ums Können. Es wird keine Motions geben, keine Choreo, keine Punkte für den mystischen „Flow of the Routine“ oder die „Overall Impression“. Nur ein Stuntteam, der Schwierigkeitsgrad ihrer Stunts und die Ausführung ihrer Technik.

So funktioniert’s

Ein All Girl Groupstunt (4 Athletinnen) nimmt ein Video von sich auf und schickt es zur Auswertung ein. Für den Moment geht es nur um Stunts (Kein Tumbling, Baskets oder Pyramiden). Die Routine, die ihr zeigt, besteht aus zwei Teilen: die obligatorische Routine und die optionale Routine.

Die obligatorische Routine wird 2 Wochen vor dem Wettkampf (also der Deadline, an der alle Videos eingeschickt werden müssen) als Video publiziert. Sie besteht nur aus Basics und ist etwa 30 Sekunden lang. Wenn ihr die obligatorische Routine gemacht habt, geht ihr direkt weiter in die Optionale, ohne das Video zwischendurch zu stoppen.

Die optionale Routine stellt ihr selber zusammen. Dazu wählt ihr Stunts aus dem Code of Points (den ich so bald wie möglich verschicke) aus. Jeder Stunt hat einen Schwierigkeitsgrad und hat einen entsprechenden Wert.  Wenn ihr die Werte von all euren Elementen zusammenzählt ist das euer Schwierigkeitswert. Dazu kommen dann noch 10 Punkte, die sind euer Ausführungswert. Alle Fehler, die ihr während der optionalen Routine macht, werden von diesen 10 Punkten (dem Ausführungswert) abgezogen. Dann wird das, was noch übrig bleibt, mit eurem Schwierigkeitswert zusammengerechnet und voilà, das sind eure Punkte. Alle möglichen Abzüge sind ebenfalls im Code of Points aufgelistet.

Nachdem das Video evaluiert wurde, erhaltet ihr eine detaillierte Auflistung aller Abzüge, die ihr erhalten habt. Dann habt ihr ein paar Wochen Zeit vor der nächsten Competition, um die Fehler auszubügeln oder ein schwierigeres Element in die Routine zu nehmen. Ihr könnt auch die Routines der anderen Stuntteams sehen und aus ihren Fehlern lernen. Das ganze sieht ungefähr so aus.

Divisions, Altersgruppen und so weiter

An diesem Punkt sollte ich vielleicht erwähnen, das keine dieser Regeln in Stein gemeisselt ist. Wir als die Schweizer Cheer Community werden etwas aufbauen, das für uns funktioniert, völlig unabhängig von der internationalen Szene. Als kleines Land mit wenigen Athleten und riesigen Levelunterschieden haben wir spezifische Bedürfnisse, auf die wir eingehen sollten. Diese Bedürfnisse werden sich im Lauf der Jahre verändern, und so auch die Cheer Up Video Competition. Für den Moment starten wir mal so:

Es gibt eine Altersgruppen, dafür aber eine Regel: Wenn jemand im Stuntteam unter 16 Jahren ist, dann darf das älteste Mitglied höchstens 5 Jahre älter sein als das Jüngste. Wenn also die jüngste Athletin 7 Jahre alt ist, darf die Älteste höchstens 12 sein. Wenn alle über 16 sind gibt es keine Einschränkungen. So können wir schon im Peewee/Junior Alter starke Gruppen zusammenstellen, es bleibt aber trotzdem fair.

Es gibt 3 Divisions: Novice, Advanced und Elite. Die obligatorische Routine wird immer schwieriger in den höheren Divisions, und es gibt Einschränkungen dafür, was die Novice und Advanced Divisions machen dürfen.

Für den Anfang starten wir mal mit all-girl und schauen, wie es läuft. Wenn es mehr als 3 Coed Teams in einer Division gäbe, würde ich gerne auch diese Kategorie eröffnen. In der Zwischenzeit sind männliche Athleten nur erlaubt, wenn sie ausschliesslich als Flyer stunten.

Vorteile

Es gibt viele Gründe, wieso ich schon lange so etwas machen wollte. Erstens mal bin ich eine sehr systematische Person und ich habe gerne klare, verlässliche Regeln die mir genau sagen, wie ich zum Erfolg komme. Niemand sollte jahrelange Erfahrung und Connections und vielleicht sogar noch einen Kurs brauchen nur um herauszufinden, was er eigentlich tun muss, um eine gute Punktzahl zu erreichen. Das sollte alles sauber in einem PDF verpackt und für jeden zugänglich sein.

Der andere grosse Grund ist, dass ein solcher Wettkampf übers Jahr verteilt immer mal wieder stattfinden kann. Wenn ein Stuntteam wegen einer Verletzung mal nicht trainieren kann ist es kein Problem, einfach mal einen Wettkampf auszulassen. Athleten, die zusätzlich noch eine normale Saison machen, können ihren Trainingsaufwand je nach den Bedürfnissen ihres Teams anpassen. Und neue Mitglieder, die ins Team kommen wenn die Athleten schon für die Schweizermeisterschaft ausgewählt wurden, können trotzdem mit einem klaren Ziel vor Augen schon mal die Basics trainieren!

Wie ihr euch vorbereiten könnt

Ich arbeite noch an den Details des Code of Points. Zudem brauche ich noch etwas Zeit, um Fotos und Videos zu machen, damit ich euch so detailliert wie möglich erklären kann, worauf es ankommt. In der Zwischenzeit könnt ihr aber schon mal anfangen, an eurer Technik zu arbeiten: nehmt die Stunts auseinander, die ihr für die nächste Saison trainiert, und achtet auf die üblichen Fehler. Haben Bases einen geraden Rücken und komplett gestreckte Arme, wenn sie einen Liberty halten? Wedelt der Flyer mit den Armen? Bewegt ihr ständig eure Füsse, während ihr euren Flyer in einem Stunt oben haltet? All diese Dinge geben bestimmt einen Abzug. Ausserdem könnt ihr die Basics für die obligatorische Routine repetieren: Elevators, Bounds, Liberty Variationen, Cradles und Extensions tauchen sicher in irgendeiner Form auf.

Ich hoffe, ihr freut euch so sehr darauf wie ich – ein Update kommt so bald wie möglich!

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